Stadtfeuerwehrverband Mannheim e.V.

Mannheim: Feuerwehr tagt über Gefahrenabwehr auf Gewässern

Nach der Premiere 2012 veranstaltet der Stadtfeuerwehrverband Mannheim e.V. in Zusammenarbeit mit dem Bereich Feuerwehr und Katastrophenschutz der Stadt Mannheim im Stadthaus N1 das 2. Symposium zur Gefahrenabwehr auf dem Rhein. 


Die über zwei Tage stattfindende Veranstaltung dient der Weiterbildung und des Informationsaustausches zwischen Feuerwehren und Katastrophenschutzbehörden aus dem gesamten Bundesgebiet. In verschiedenen Vorträgen erläutern Experten Katastrophenschutz- und Einsatzpläne für das Vorgehen bei Unfällen auf Binnengewässern. 

Besonders wichtig sei es laut Ltd.BD Heinz Wolschendorf (Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion Rheinland-Pfalz) das die Organisationen und Behörden bei Länderübergreifenden Einsätzen die gleichen Einsatzkennung kennen.
In seinem Vortrag erläuterte er den RAEP Rhein (Rahmenalarm- und Einsatzplan Rhein) Rheinland-Pfalz in Verbindung mit Baden-Württemberg und Hessen.

Kapitän zur See Luc Cassan (BASF SE Vetting Departement Antwerpen) erklärte die Prüfungsprozedur und Vorschriften für Schiffe welche für die BASF Gütertransporte in Binnengewässern und auf See durchführen. Am Fall des Containerschiff-Unglücks der MCS Flamina erläuterte er den damaligen Einsatz von TUIS und welche Schwierigkeiten bei Einsätzen auf Offener See die Hilfsmannschaften erwarten. Ebenso informierte er welchen Problemen die Einsatzkräfte erwartet wenn das Schiff in Internationalen Gewässern sich befindet und kein Land das Verunfallte Schiff anlegen lässt wegen der Gefahr einer Umweltverschmutzung im jeweiligem Hoheitsgebiet.

Dipl.Ing. Rolf Haselhorst sprach als Leiter der BASF SE Werkfeuerwehr nochmal die Probleme bei der Beschaffung der Pläne beim Unglück der Waldhof in Sankt Goa an.

BOR Steffen Lutter, Leiter der Berufsfeuerwehr Wilhelmshaven
hielt einen Vortrag über das Vorgehen nach dem Entschluss der Bundesregierung die verunglückte MCS Flamina in deutsche Hoheitsgebiete aufzunehmen und das Schiff in den Hafen von Wilhelmshaven zu schleppen. Der Einsatzauftrag stellte die Feuerwehren aus Wilhelmshaven und Umgebung vor eine große Herausforderung. Ein besonderes Problem stelle auch die Aufgabe des Schiffes durch die Mannschaft dar, da dadurch die Kühlaggregate nicht mehr funktionierten und rund 40 Tonnen Fleisch vergammelten. Dies stellte die Einsatzkräfte auf eine weitere Belastungsprobe. Die Löscharbeiten fanden im inneren des Schiffes meist mit dem System Cobra statt. Mit F500 Schaummittel gelang es auch die mit Baumwolle beladenen Container zu löschen und zu kühlen. Durch starken Wind flammte auch Holzladung immer wieder auf. Bei dem Brand wurden 200 Container zerstört. Rund 1000 Container wurden unter Aufsicht entladen. 30 Tonnen Löschwasser musste auf andere Schiffe gepumpt und entsorgt werden. Gut neun Monate dauerte der Einsatz und 30 Behörden waren involviert.

Dipl.Ing. Helmut Wekenborg ( BP Europa SE ) informierte als Brandingenieur die Gäste über den Brand eines Tankschiffes im BP Hafen Lingen am 28.März 2011.
Das Schiff stand zur Beladung in der Mole der Raffinerie und war von zwei weiteren Tankschiffen deren Ladevorgang ebenfalls lief und nicht gestoppt werden konnte umgeben. Ein großes Problem war für die Einsatzkräfte neben der EX-Gefahr auch das die Besatzung kein deutsch sprach und so nicht mitteilen konnten welche Tanks bereits gefüllt bzw. halb gefüllt waren. Bei der Explosion flogen die Trümmer bis zu 250 Meter weit. 230 Tonnen Schaummittel wurden bei dem Einsatz verbraucht. Insgesamt dauerten die Löscharbeiten rund 8 Stunden. 
Circa neunhundert Kubikmeter Benzin verbrannten.

Taktikskizzen über Aufbau und Organisation von Einsatzstellen auf Binnenwasserstraßen war das Thema im Vortrag von BOI Christian Albrecht (BF Koblenz). Als Mitglied der Arbeitsgruppe Ausbildung und Taktik erläuterte er die möglichen Einsatzszenarien. 

1. Brand / Havarie - an Land: Havariertes Fahrzeug erreicht das Land und kann sicher an einem Steiger, Hafen oder einer Mole festmachen.

2. Brand / Havarie - im Strom: Havariertes Fahrzeug liegt im Strom und ist auf direktem Weg von Land aus nicht erreichbar. Fahrzeug ist gegebenenfalls nicht mehr manövrierunfähig.

3. Brand / Havarie - Ufernah : Havariertes Fahrzeug liegt weitgehend im Strom, konnte jedoch noch das Bug oder Heck an Land bringen. Das Fahrzeug ist durch die Uferbeschaffenheit auf direktem Weg schwer zugänglich und von Land aus nur schwer zu erreichbar. Fahrzeug ist gegenfalls manövrierunfähig und antriebslos.

Leitender Branddirektor Thomas Egelhaaf erklärte als Leiter der Landesfeuerwehrschule Baden-Württemberg und Mittglied der AG Ausbildung MÜB/CRERF den Teilnehmern das Ausbildungskonzept der MÜB (Mobile Übungsanlage Binnengewässer) anhand von der Erkenntnissen der Arbeitsgruppe und der Erfahrung im Training RISC-Falck.
Brandoberrat Steffen Lutter (Leiter BF Wilhelmshaven und Mittglied der AGF-SEE) stellte in einem weiteren dem Fachpublikum das Havariekommando Küste - Ausbildung und Training Schiffsbrandbekämpfung vor. 
Gert van Bortel referierte in der Funktion als Leiter der BASF SE Werkfeuerwehr Antwerpen über die Sicherheitseinrichtungen auf Binnen- / Container- und Tankmotorschiffen. 
Über Gefahrguttransporte auf Binnenwasserstraßen und über die Zusammenarbeit Feuerwehr und Wasserschutzpolizei sprach Erster Polizeihauptkommissar und Leiter der Führungsgruppe Wasserschutzpolizei Norbert Dirolf.
Mit der Bergung eines nach Ruderausfall auf Grund gelaufenen Tankschiffs beschäftigte sich Branddirektor Klaus Hahn vom Hessischen Ministerium des Inneren in seinem Vortrag.

Im Anschluss des ersten Tages des Symposiums lud die BASF SE Werkfeuerwehr die Teilnehmer zu einem Abendessen ein.

Text: Ralf Siegelmann

(Einen ausführlichen Bericht über die Veranstaltung und Vorträge folgt in Kürze durch den Initiator des Symposiums Rudi Götz von der Berufsfeuerwehr Mannheim.)

Stadthaus N1 Symposium 2014